Seminarinhalt

Die Lebenswelten junger Menschen sind vielfältig und komplex. Sie wünschen sich (soziale) Anerkennung und Freundschaft, machen oft aber auch Erfahrungen von Dis-kriminierung und Gewalt. Wenn die Kontexte schwinden, innerhalb derer sich Jugend-liche in gesellschaftlich anerkannter Weise verorten können, dann gewinnen ihr Ge-schlecht und ihr Körper an Relevanz. Männlichkeit, Weiblichkeit oder andere Gruppen-Identitäten werden zur wichtigen Ressource, um in den Grenzen gegebener sozialer Verhältnisse Selbstwirksamkeit und Anerkennung zu erfahren. Der Rückzug auf be-stimmte Bilder von Männlichkeit, Weiblichkeit oder andere Gruppenidentitäten engt aber gleichzeitig die Lebensperspektiven, Bildungs- und Berufswege von Jugendlichen ein. Hier setzt eine gender- und diversitätssensible Pädagogik in der Jugendarbeit an, indem sie Anerkennungspraktiken in den Mittelpunkt rückt, das Erleben von Vielfalt und ein entsprechendes Empowerment ermöglicht. Eine intersektional erweiterte, gender- und diversitätssensible Pädagogik nimmt Ver-schiedenheit als individuelles und strukturelles Merkmal wahr und entwickelt darauf bezogen adäquate Handlungsformen.

Welche methodisch/didaktischen Möglichkeiten gibt es in der gender- und diversitäts-sensiblen Pädagogik, um unterschiedliche soziale Positionierungen wahrzunehmen und wertzuschätzen ohne Festschreibungen vorzunehmen? Wann und wozu erscheint es den Einzelnen wichtig, erlebte Differenzen zu betonen? In welchem Kontext sind bestimmte subjektive Zugehörigkeiten (z. B. Gender, Migra-tion, Milieu) Ressource, wann können sie zu Nachteilen/Diskriminierungen führen? Vor allem: Wie können gemeinsam mit Jugendlichen gewaltfreie Bewältigungs- und Ge-staltungsalternativen entwickelt werden?

Mögliche Themen

  • Gender- und diversitätssensible Pädagogik
  • Reflexion von Männlichkeits- und Weiblichkeitsbildern
  • Interventionstechniken gegen festgesetzte Gruppenmeinungen (z. B. Stammtischparolen)
  • Geschlechtersensible Gewaltprävention, soziale und emotionale Kompetenzen
  • Geschlechterverhältnisse im Kontext von Migration und Integration: Critical Whiteness/Kritische Weißseins-Forschung, postkoloniale Zugänge
  • Reflexion von Rassismen und struktureller Diskriminierung (Gender, soziale Milieus, Herkunft, Behinderung, sexuelle Orientierung, …)
  • „blinde Flecken“: Wen denken wir nicht mit?


Dauer

mind. 1 1/2 Tage


Leitung

Mag.(FH) Michael M. Kurzmann
ist Sozialarbeiter und Psychoanalytiker in Ausbildung unter Supervision (Arbeitskreis für Psychoanalyse Linz-Graz/APLG). Er ist Geschäftsleiter der Fachstelle für Burschenarbeit (Verein für Männer- und Geschlech-terthemen Steiermark) und Koordinator von „HE ROES® gegen Unterdrü-ckung im Namen der Ehre. Ein Projekt für Gleichberechtigung in der Stei-ermark“. Er ist Mitglied der GenderWerkstätte, wo er Gender+ Kompetenz-Trainings durchführt, Lektor an der Karl-Franzens-Universität Graz (Genderkompetenzen, gen-dersensible Didaktik in der universitären Lehre) und Gastvortragender an der FH Jo-anneum Graz (ethnopsychoanalytische Sozialarbeit).

Mag.a Eva Taxacher, MA
studierte Soziologie, Internationale Genderforschung und feministische Politik, und absolvierte den Lehrgang Gender+[Diversity] Kompetenz mit Abschluss zur Gender Beraterin im eigenen Berufsfeld. Sie ist Leiterin des Fachbereichs Bildung im Verein Frauenservice Graz mit den Schwer-punkten: Geschlechterpolitische Bildung, feministische und queere Theorien & Praxis, Geschichte und Aktivismus von Frauenbewegung(en). Sie ist Mitglied der Gender-Werkstätte, hält Vorträge und führt Trainings zu Gender, Diversität & Intersektionalität durch.


Nähere Informationen

unter gender(at)frauenservice.at oder unter 0316 716022

Ansprechperson: Mag. Eva Taxacher